Draußen stehen die murrenden Zecher, drinnen strahlt das Elternpaar: Fritzchen ist heute angekommen, Wirtschaft geschlossen verkündet ein Zettel an der Tür zu Emrichs Braustübl. Friedrich Karl Otto ist da! Wir schreiben den 26. September 1930. Ein Jahr ist es her, da Kapellmeister Wunderlich nach Kusel kam. Samt Gattin Anna, einer Violinistin und der elfjährigen Tochter. Um den Unterhalt der Seinen zu sichern, wird Vater Wunderlich Wirt.
Dem Fritz - so ruft man den Kleinen - hält das Leben nun wahrlich keinen Reichtum parat. Nach dem frühen Tod des Vaters versucht Mutter Wunderlich die kleine Familie mit Musikstunden über Wasser zu halten. Das ging. So lala.
Doch da ist das außerordentliche Talent des Jungen, das die Frau Mama schon früh und stolz bemerkt. Aber: Musik als Beruf? Damit hat sie doch selbst im Alltag ihre liebe Mühe. Der mütterlichen Skepsis zum Trotz, ihr Fritz lässt sich nicht bremsen: Freudestrahlend spielt er bei Fesitivitäten, Kirchweihen und in den US-Offiziersclubs der Umgebung auf. Macht mit leichter Muse manche Mark für die Familienkasse.
Es ist ihm halt ernst mit der Musik. So ernst, dass er ab 1949 Gesangsunterricht bei Frau Käthe Bittel Valckenberg in Kaiserslautern nimmt. Oktober 1950: Fritz’ Aufnahmeprüfung an der Staatlichen Hochschule für Musik in Freiburg. Bestanden! Und schnell ist klar: Da ist und reift einer mit außergewöhnlicher Begabung - trotz dialektischer Ungeschliffenheiten der Aussprache, trotz seines etwas gar kitschigen, sentimentalen Singens, wie ein Kritiker bemerkte.
Tatsächlich, sentimental, das wurde der Fritz nicht eben selten. In Freiburg, der zerbombten Stadt, und fern der pfälzischen Heimat. Seinem Weh macht er Luft und schreibt dort sein berühmtes Kusellied: …zieh in die Welt ich einmal fort, dann bitt ich Gott: Erhalt’s mein Städtchen, meinen Heimatort, mein Kusel in der Pfalz!
Kusel dankt Wunderlich die Treue - mit einem Stipendium. Dennoch misstraut der anfangs immer noch dem eigenen Plan, als Sänger Karriere zu machen. Zur Sicherheit erlernt Wunderlich das Waldhorn. Klappt’s nicht als Tenor, dann vielleicht als Instrumentalist. Doch schon bald beginnt er dank begnadeter Stimme den ersten Lorbeer einzuheimsen: die Kritik überschlägt sich vor Begeisterung, als Wunderlich 1954 in Freiburg den Tamino in Mozarts Zauberflöte gibt.
Fortsetzung folgt
Fritz Wunderlich - Privat-, Presse- und Bühnenfotos, alle: Fritz Wunderlich-Museum/Fritz Wunderlich-Gesellschaft in Kusel
Foto 10: Fritz Wunderlich mit Hermann Prey und Anneliese Rothenberger, die im übrigen ihr erstes festes Engagement am Stadttheater in Koblenz hatte.
Foto 6 und 7: Original Schifferklavier und Bühnen-Garderobe von Fritz Wunderlich, war zu sehen in der Landesausstellung im Mittelrhein Museum Koblenz (Foto: Rüdiger Müller)
[…] Ein Leben für die Musik I […]