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Maßstab: Braun

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Wer hätte gedacht, dass in manchem, vielfach als eher piefig empfundenen Wirtschaftswunder-Wohnzimmer, künftige Design-Ikonen neben Nierentisch und Tütenlampe um die geneigte Aufmerksamkeit buhlten?! Wie die Radio/Phono-Kombination SK 4 von Braun. Jenem Hersteller, der seit Mitte der 1950er Jahre mit erstaunlicher Konsequenz daran arbeitete, vorbildliche Produkte mit unverwechselbarem Design zu schaffen. Wegweisende Prinzipien der Braun-Produktgestaltung: Innovation, Brauchbarkeit, Ästhetik, Ehrlichkeit, Langlebigkeit, Konsequenz bis ins Detail, Umweltfreundlichkeit und Unaufdringlichkeit. Was Erwin Braun stets vorschwebte, waren Geräte, vergleichbar mit einem britischen Butler - bei Bedarf zu Diensten. Ansonsten vornehm im Hintergrund.
Besonders beeindruckend gelang dies seinen Designern mit dem SK 4, der später als Schneewittchensarg in die Analen der Designhistorie eingehen sollte. Dabei entschied man sich eigentlich nur für die transparente Haube aus Plexiglas, da die ursprünglich vorgesehene Blech-Abdeckung unschön klapperte. Wenig später wird Plexiglas zum Standard sämtlicher Plattenspieler-Deckel weltweit.

Exponat: Radio-Plattenspieler-Kombination Braun Phonosuper SK 4 von 1956, gestaltet von Hans Gugelot und Dieter Rams; Privatbesitz
Fotos: Rüdiger Müller

Bella Italia

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Eine Reise in den Süden ist für andre schick und fein…

Die Reise über die Alpen, nach Italien, dem Traum- und Sehnsuchtsziel der Wirtschaftswunder-Generation, hatte damals noch einen Hauch von Exotik. Für Daheimgebliebene in etwa vergleichbar mit dem Aufbruch zu einer Polarexpedition - nur nicht so eisig. Dabei fühlte sich schnell wie daheim: Man spricht Deutsch. beruhigte mancher Gastwirt und Hotelier per Aushang seine alemannische Kundschaft.
Wessen Portemonnaie trotz Aufschwung noch zu schmal für ein Pensionszimmer war, packte Zelt, Luftmatratze und Spirituskocher ins Automobil. Denn was ein echter Italien-Pionier ist, der braucht keine weichen Daunen - der Campingplatz ist es, was er sucht. Ob mit dem Käfer oder Heinkel-Roller. Ob Gardasee oder Mittelmeer. Mit ein wenig Italienisch (Buon giorno, buena sera, quanto costa, das kannte man ja aus manch beliebtem Schlager der Zeit) schlug man sich schon durch. Hauptsache - Sonne!

Fotos: Reisekoffer und Reisenecessaire, Kleidungsstücke und Lesestoff, 1950er Jahre, Privatbesitz
Italien-Prospekte, 1950er Jahre, Landeshauptarchiv Koblenz
Heinkel Motorroller Tourist, Baujahr 1955, Privatbesitz
Alle Exponate waren zu sehen im Mittelrhein-Museum Koblenz.

Fotos: Rüdiger Müller

Hotel Rittersturz

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In Koblenz kennt es ein jeder: Das Berghotel Rittersturz mit seinen hohen Treppengiebeln und der herrlichen Aussichtsterrasse im ersten Stock. Dort ließ es sich, an einem strahlenden Sommertag, so wunderbar ausspannen. Bei einer Tasse Kaffee und der grandiosen Aussicht auf den Oberwerth und die andere Rheinseite. So war es - vor dem Krieg.
Der Rittersturz heute, seit langem verwaist. Die Zeit der Sonntagsausflüge wohl für immer vorüber. Nun aber erweckt Ministerpräsident Altmeier das Berghotel zu neuem Leben. Vom 6. bis zum 10. Juli 1948 steht es im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses, wenn sich dort die elf westdeutschen Ministerpräsidenten zusammen finden, um über die Annahme des Grundgesetzes und die Bildung der Bundesrepublik Deutschland zu entscheiden.

An die Wiege der Republik und die dort abgehaltene Rittersturz-Konferenz erinnert heute nur noch eine 6 Meter hohe Basaltsäule - das Berghotel selbst wurde 1974 wegen akuter Felssturzgefahr abgerissen.

Ganz andere Erinnerungen verbindet Peter Albrecht aus Kadenbach mit dem Berghotel hoch über Koblenz: Hier lernte er am Rosenmontag des Jahres 1960 seine spätere Ehefrau kennen. Bei einem Modellbauwettbewerb stieß Peter Albrecht später auf ein Modell des Ortes jener ersten Begegnung. Es packte ihn und er kam nicht umhin, die in jeder Hinsicht historische Stätte en miniature zu erwerben.

Fotos: Modell des Berghotels Rittersturz, Koblenz
Maßstab 1:87, Maße: HBT 51/75/65

Heijo Hangen II

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Wie bei manch einem zur Kunst berufenenen schlummern auch bei Heijo Hangen, ach, zwei Seelen in der Brust. Die eine, von tiefer Leidenschaft getriebene, die sich um Meisterschaft und Entwicklung seiner Bilder bemüht: Erst hier in Koblenz, so Heijo Hangen nach Kriegsgefangenschaft und dem Studium in Mainz, bekam ich einen neuen Zugang. Ich blätterte in Kunstbüchern - da habe ich zum ersten Mal einen Mondrian gesehen! Und auf einmal bemerkt, dass ein Bild etwas anderes ist. Da war plötzlich die Frage: Wenn es kein Bild durchs Fenster mehr sein soll, was dann? Ich erkannte ein Bild sozusagen als Realitätszuwachs. Das war ein revolutionärer Schritt für mich, denn es war für mich bislang ja nur eine Realitätskopie gewesen. Da habe ich dann auch verstanden, dass ich nicht mehr das Objekt, dass ich sehe, als solches abbilden muss, sondern dass, was es bedeutet, was es tut! Seitdem habe ich mich von der Gegenständlichkeit gelöst.
Und die zweite seiner Seelen? Da ist das Werbliche Hangens Metier. Für das Koblenzer Amerika-Haus, andere öffentliche Einrichtungen und Unternehmen gestaltet er prägnante und unverwechselbare Werbebotschaften.

Fotos und Grafiken: Privatarchiv Heijo Hangen
(Foto ganz oben: Hangen in seinem Büro im Koblenzer Amerika-Haus)

Auszug aus einem Interview mit dem Maler Heijo Hangen aus: Man muss nur machen, was man machen will! In voller Länge in der Zeitung zur Landesausstellung.

Land unter

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Wie emmer - wenn et heißt Alarm,
wenn’t diesmol och net brennt,
kimmt schnell zor Helf’ - bei reich on arm
ons ‘Wasserwehr’ gerennt.

Et es käi Spaß.
wenn ,t Wasser kimmt häi en ons Stadt
on läift zor Kastergass.
Drum ‘Nepomuk’, dau heil’jer Häär,
hall iwwer ons dein Hand
on hiet ons vur demm gruß Malär
dat et Wasser kimmt en’t Land.

Bitten und Beten in Ehren - bloß, wenn sich Vater Rhein und Mosel aus ihrem Bett bewegen, ist das nicht zu abzuwenden und fast schon Alltag am Deutschen Eck. Einerseits. Ein Drama ist es allemal. Auch im Aufbaujahrzehnt bleibt die Stadt infolge der alljährlichen Schneeschmelze vom Hochwasser nicht verschont. Ein Schauspiel, bei dem Mutter Natur die Regie übernimmt. Wann bitte geht das nächste Boot zum Hauptbahnhof?!

Text: Auszüge aus einem Gedicht von Fritz Zimmer anlässlich eines Verbands-
festes der Koblenzer Feuerwehr. Zitiert nach: Hannelore Kraeber: Schängels Zeitreise durchs 20. Jahrhundert, Koblenz 1999
Verkehrsverein und Koblenzer Hof versinken in den Fluten. (1950er Jahre)
Fotos von Heijo Hangen (Privatarchiv)

Heijo Hangen I

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Das Areal des ehemaligen Karmeliterklosters Allerheiligen. Am 6. November 1944 versinkt es, - wie die gesamte Koblenzer Altstadt - im Bombenhagel eines britischen Kampfverbandes. Allein der Turm der barocken Klosterkirche übersteht die schweren Luftangriffe. Ihre Trümmer weichen 1954 den Neubauten von Landeshauptarchiv und Bundesamt für Wehrtechnik.
Heijo Hangen, gebürtiger Kreuznacher, studiert 1947 bis 1950 an der Landeskunstschule Mainz und zieht danach als Stipendiat des Landes Rheinland-Pfalz in das Künstlerhaus Asterstein. In dieser Zeit entstehen auch Zeichnungen, die die kriegszerstörte Stadt zeigen - wie hier die Ruine der Karmeliterkirche. Naturalistisch, wie der junge Hangen sie sieht. Eine Besonderheit für einen Künstler, der sich wenig später voll und ganz der konkreten Kunst verschreibt. Und Bilder auf Basis mathematisch-theoretischer Überlegungen entwickelt.

Heijo Hangen: karmeliterkirche koblenz 1. fassung (Ausschnitte), Koblenz 1950, Privatbesitz Heijo Hangen, Koblenz
Foto: Heijo Hangen in seinem Atelier in der Koblenzer Quäkerbaracke (1950er Jahre), Foto: Privatbesitz Heijo Hangen, Koblenz

Ad acta

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Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. Von Akten war da nie die Rede. Nun läuft man im Landeshauptarchiv Koblenz nicht Gefahr, gehen die Archivare doch sorgsam mit den Zeugnissen vergangener Zeiten um. Zumal im neuen Domizil an der Karmeliterstraße. Hier, wo einst das Karmeliterkloster stand, zieht heute, 1956, ein markantes Beispiel zeitgenössischer Architektur Passanten in seinen Bann. Ein Bauwerk, der Massstäbe setzt. Im In- und Ausland vielbeachtet und hochgelobt, findet der gelungene Zweckbau schon jetzt erste Nachahmer: Das Magazingebäude mit seinen sechs Geschossen und einer frei tragenden Stahlkonstruktion, welches durch einen Zwischenbau mit dem dreistöckigen Verwaltungstrakt verwunden ist. Lichtdurchflutet und luftig - ganz anders, als es dem Archiv bislang vergönnt war. Noch vor dem Krieg in eher ungeeigneten Räumlichkeiten des Deutschherrenhauses am Deutschen Eck beheimatet, zog man angesichts der Ereignisse mit all den Urkunden, Akten, Karten, Zeitungen und Fotografien, welche mehr als 1200 Jahre Historie widerspiegeln, auf die Festung Ehrenbreitstein. Diesem Provisorium wurde mit der Entscheidung für einen Neubau ein Ende gesetzt.

Fotos: Rüdiger Müller

Gutes Rad

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Alles beginnt 1932, einige Kilometer rheinabwärts: In Köln, unweit der 6 Tage- Radrennbahn, gründen Hans und Barbara Schauff eine Fabrik für Rennrahmen und Fahrradkomponenten. Gerade sattelfest in Entwicklung, Produktion und im Radsport erfolgreich, kommt der Krieg in die Quere. Nach dessen Ende wagt man den Neubeginn. Allerdings auf rheinland-pfälzischem Boden - seit 1945 ist die Firma Schauff in Remagen ansässig.
Hier tüftelt man weiter an genialen und richtungsweisenden Zweirädern, unzählige Patente und Gebrauchsmuster heftet sich Schauff seit den Fünfzigern mit Stolz ans Revers. Nach der Währungsreform wird tüchtig in die Pedale getreten. Motoren- ergänzt die Wadenkraft in den Wirtschaftswunderjahren: Mopeds und Motorräder sind gefragt und werden auch von Schauff gefertigt; 1950 die gefederte Gabel mit Zündapp-Motor und Riemenantrieb.

Fotos oben: Hans Schauff begrüßt 1950 den ersten Deutschen Meister, Alois Schmid, in seinem Remagener Werk.
Jetzt wird Gas gegeben: Mopeds sind in den 50ern der Trend - und Schauff verschläft ihn nicht.
Eine Visitenkarte - zwei Anschriften: Noch bis 1949 betreibt Schauff neben der Produktion in Remagen einen Fabrikverkauf in Köln.
Eine runde Sache: Schauff stellte dem Mittelrhein-Museum Koblenz ein Damen- und ein Herrenrad, beide sechzig Jahre alt, als Leihgabe für die Landesausstellung zur Verfügung.

Fotos: Schauff-Archiv und Rüdiger Müller (1)

Gute Stube, neuer Stil

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Jetzt wird Deutschland aufgemöbelt! Auch, wenn die Einrichtungs-Industrie noch kriegsbedingt am Boden liegt - aufs Improvisieren versteht man sich, wie überall, auch hier. Gilt es doch, den Bedarf im Land zu decken. Die Lage ist ernst. Zahllose Häuser und Wohnungen sind zerstört und mit Dach überm Kopf kann man sich glücklich schätzen. Wohnraum ist knapp. So wirkt die Auswahl an schweren Polstermöbeln und wuchtigen Wohnküchenschränken im barocken Stil der 30er auf der ersten Nachkriegs-Möbelmesse reichlich deplaziert. Der Wohnungsmarkt im Land ruft nach variablen Lösungen. Leicht und platzsparend sollen die neuen Möbel sein. In der Anschaffung günstig dazu. Praktische Schrankbetten und Sitzmöbel für beengte Wohnbehältnisse. D a s war gefragt. So brütet die Industrie, unterstützt vom Deutschen Werkbund, über einer neue, funktionale Generation von Möbelstücken.
Was grundlegend Neues soll her! Gestalters Geschmack kommen da die innovativen, organischen Formen aus den Vereinigten Staaten gerade recht. Das neue Design stößt auch beim Käufer auf ungetrübte Gegenliebe: Die neue Linie ist bunt und optimistisch. Die Möbel zum Aufbruch im Land.
Neue Materialien - biegsames Sperrholz, Metallgussformungen und Kunststoffe - ermöglichen eine geschmeidige Formgebung. Pastelllfarbenes und Filigranes gibt dem deutschen Wohnzimmer eine nie gekannte Leichtigkeit: Selbst der Couchtisch, seit jeher im Zentrum deutscher Gemütlichkeit, ist kaum wiederzuerkennen: Nierenförmig soll er sein, denn nierenförmig ist schick.

Modernes Wohnen in den 1950er Jahren
Exponate aus den Ausstellungen des Mittelrhein-Museums Koblenz und des Historischen Museums der Pfalz, Speyer.
Neue Möbel, Schutzumschlag des von Gerd Hatje herausgegebenen Standardwerkes (1953), Privatbesitz
Fotos: Mario Kramp (1) und Rüdiger Müller

Aussichten

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60 Jahre Rheinland-Pfalz. Und keine Ende in Sicht? Im inzwischen 61. Jahr angekommen, bleibt uns das Weblog zur Jubiläums-Ausstellung wegen des großen Zuspruchs noch ein wenig erhalten. Voraussichtlich bis zum Verfassungstag im Mai. Bis dahin wird in unregelmäßiger Folge noch so manches Interessante aus den frühen Jahre unseres Bundeslandes Revue passieren.
Zur Erinnerung an manche schöne Momente: Das gesamte Begleitprogramm zur Landesausstellung ist in Kürze wieder komplett im Veranstaltungsteil dieses Blogs nachzulesen.

Fotos: Geschenkpapier des Landes Rheinland-Pfalz

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