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Eine Liebesheirat sieht anders aus. Jedenfalls nicht wie der Zusammenschluss von Rheinland, Pfalz, Rheinhessen und Nassau am 30. August 1946. Die Verordnung Nr. 57 des französischen Militärgouverneurs Pierre Marie Koenig bringt Regionen unter eine Haube, die sich anfangs eher fremd und skeptisch gegenüberstehen. Nun gut, eine Übergangslösung soll dieses Land Rheinland-Pfalz sein. Aber wenn schon, dann eine mit eigener Verfassung und Landesregierung – so wollen es die französischen Besatzer.

Eine Beratende Landesversammlung macht sich am 22. November 1946 erstmals an den Entwurf einer Verfassung. Im Stadttheater Koblenz, denn die designierte Landeshauptstadt Mainz gleicht einem Trümmerfeld. Noch am selben Tag präsentiert Wilhelm Boden, erster Ministerpräsident, seine Ministerriege: ein Allparteienkabinett aus CDU, SPD und KPD.
„Ein demokratischer und sozialer Gliedstaat Deutschlands“ soll Rheinland-Pfalz sein, so will es der „Vater der Verfassung“, Justizminister Adolf Süsterhenn. 

Am 18. Mai 1947 sind die Rheinland-Pfälzer selbst gefragt - per Volksabstimmung zur Verfassung. Zugleich darf man über die Zusammensetzung des ersten frei gewählten Landtages entscheiden. 53 % sagen Ja zur Verfassung. Mit dieser – wenn auch knappen – Mehrheit erhält Rheinland-Pfalz seine demokratische Legitimation. Und Wilhelm Boden die Bestätigung im Amt. Im Koblenzer Rathaussaal tritt der erste rheinland-pfälzische Landtag zusammen. Doch die Regierungsbildung unter Boden scheitert, und Peter Altmeier wird 9. Juli 1947 neuer Ministerpräsidenten.

Ein Jahr später - seine erste große Bewährungsprobe: Auf dem Koblenzer Rittersturz stellten die elf Ministerpräsidenten der drei Westzonen unter Altmeiers Leitung die Weichen zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland. Rheinland-Pfalz - ein Teil der Republik, doch ist sein Fortbestand noch immer nicht gesichert. Was dem Lande fehlt, so Kritikers Meinung - Leistungsstärke und innerer Zusammenhalt.

Der Umzug der Landesregierung von Koblenz nach Mainz 1951 soll das Land stabiler machen, für den nötigen inneren Ausgleich sorgen. Doch erst das beginnende Wirtschaftswunder und wachsende bundespolitische Interessen sichern den Fortbestand. Daran können selbst die an sich erfolgreichen Volksbegehren im Rheinland und in Rheinhessen 1956 nicht mehr rütteln. Zehn Jahre nach seiner Gründung ist aus der Zwangsehe eine funktionierende Gemeinschaft geworden. Eine, die optimistisch in die Zukunft blicken lässt.